Hadler Schützencorps von 1863 e.V.

Anfang Juni konnte ein Jeder im Otterndorfer Wochenblatt folgendes lesen:


 
Offensichtlich mit einschlagendem Erfolg, denn dieses Jahr feiert das Hadler Schützencorps sein 150 jähriges Bestehen. Allerdings geht die Tradition des Schützenwesens in der Medemstadt nicht erst im Jahr 1863 mit der Gründung des Corps und dem seither gepflegten Scheibenschießen einher, denn nach der ältesten im Archiv des Landkreises Cuxhaven vorhandenen Urkunde verlieh bereits im Jahre 1567 Herzog Franz I (1543-1581) einer in Otterndorf bestehenden Schützengesellschaft das Privileg, kleine Raufereien und Missgeschicke selbst zu ahnden. Dabei handelt es sich bei diesem Privileg mit Sicherheit nicht um die ältesten Urkunden über in Otterndorf bestehende Schützengemeinschaften oder Gilden, denn die Anfänge mögen bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen, wie sich aus gewissen Bestimmungen und Verweisen aus den vorhandenen Dokumenten ergibt. Am 20. Oktober 1612 erließ Herzog Franz II (1581-1619) ein Privileg, in dem genauere Regelungen über den Königsgewinn beim Vogelschießen und dem Ablauf des Festes der Otterndorfer Schützengesellschaft getroffen wurden. Zu dieser Zeit war die Schützengesellschaft nicht nur Veranstalter dieser Schießwettbewerbe, sondern über die Mitgliedschaft in der Schützengesellschaft waren Einflussnahme auf den gesamten Lebensbereich in der Stadt möglich – so war früher tatsächlich Personalunion zwischen den Schützenämtern und dem heutigen Stadtrat üblich. Mehr als 200 Jahre später fanden sich dann Bürger der Stadt zusammen, um ein uniformiertes Hadler Schützencorps zu gründen. Dieses vereinigte vermutlich die beiden zu der Zeit bestehenden Schützengemeinschaften. An der bereits erwähnten Gründungsversammlung waren maßgeblich der Büchsenmacher F.W. Sydow und der Buchdruckereibesitzer H. Hergeröder beteiligt. Die Idee fand großen Anklang und so konnten die Formalitäten in Angriff genommen werden. Unabdingbare Voraussetzung, dass die Vereinigung selbst, sowie die ihr zugrunde liegenden Satzungen genehmigt wurden. Daher richtete der Gründungsvorstand ein entsprechendes Gesuch an die königliche Landdrostei zu Stade, dem eine Abschrift der Statuten beigefügt war.

     <- Gründungsgesuch.

Nachdem sich die Landdrostei Stade (vergleichbar mit einer heutigen Bezirksregierung) mit dem Magistrat der Stadt Otterndorf ins Benehmen gesetzt hatte und keinerlei Bedenken bestanden, wurde die Gründung des Hadler Schützencorps am 8. Juni 1863 genehmigt. Die Zahl der Mitglieder wuchs ständig und so ist dem Protokollbuch, welches der Schriftführer F.W. Sydow dem Schützenmeister Hergeröder „zur gewissenhaften Eintragung aller Verhandlungen und Beschlüsse“ schenkte zu entnehmen, dass das Corps im Jahre 1865, also bereits zwei Jahre nach der Gründung von 27 auf 40 Mitglieder angewachsen war. Die Organisation des Corps war streng geregelt. Aus 54 Vorschriften bestanden die Satzungen für das Hadeler Schützen-Corps, dessen Zweck Übungen im Schießen aus freier Hand mit der Büchse waren. Besonders ausführlich war die Schiedsgerichtsbarkeit des Corps geregelt. Allein 13 Vorschriften waren unter der Überschrift XI Schiedsgericht, Maßregeln, Strafen zusammengefasst. Dabei wurde das Verfahren bis ins Detail ausgestaltet und sogar eine Berufung gegen die vom Schiedsgericht verhängte Strafe war an die Generalversammlung zulässig. Ob, oder in welchem Umfang das Schiedsgericht tätig werden musste, ist leider nicht überliefert worden, ebenso ist ein Anruf des heutigen Ehrengerichtes der heutigen Generation nicht bekannt. Bis zum Jahre 1894 fand das regelmäßige Übungsschießen im Otterndorfer Außendeichgelände statt. Erst nach dem Bau der hölzernen Schützenhalle auf der städtischen Bleiche/Schweineweide (heutiges Gebiet um den Schützenplatz) konnten die Schützen ihr Training auf dem neuen 175-m-Stand absolvieren, der an die Halle angeschlossen war.

          <- Zu Großvaters Zeiten ->   

Die Waffe, derer sich die Schützen in dieser Zeit bedienten, war nach §32 der Satzung die so genannte deutsche Schützenwaffe mit Bajonett. Dies war ein Frohn-Karabiner der Waffenfabrik Suhler vom Kaliber 8.16x46. Verschossen wurden Bleigeschosse mit Kupfermantel, die eine Geschwindigkeit (Vo) von 450m pro Sekunde erreichten. Nachdem die Schützen im Stadtbereich ihr Übungsschießen abhielten, wuchs die Mitgliederzahl weiter an. Auch das Sportschießen gewann immer mehr Freunde, so weist die Mitgliederliste des Niederelbschen Bezirks-Vereins Otterndorf um die Jahrhundertwende als stärksten Ortsverein aus. In den 1920er Jahren wurde an die hölzerne Schützenhalle ein Kleinkaliberstand angebaut, so dass am 17. Januar 1927 die Abteilung Kleinkaliberschießverein des Corps gegründet wurde. Zweck der Vereinigung war die Pflege des Kleinkaliberschießsports, wobei die Jugendarbeit besondere Bedeutung finden sollte, denn bereits mit Vollendung des 17. Lebensjahres war eine Mitgliedschaft möglich. Auch die beiden Weltkriege hat das Hadler Schützencorps und seine Mitglieder nicht auseinander gebracht. So traf man sich auch noch während der ersten Kriegsjahre zu den festgelegten Übungsstunden und war siegreich bei norddeutschen Schießwettbewerben, wie Urkunden und Medaillen aus dieser Zeit belegen.

                                       

                             Der König vor hundert Jahren und heute                                 Ordenträgerinnen

1935 übernahm das Corps die alleinige Ausrichtung des Otterndorfer Volks- und Schützenfestes, welches bis 1939 regelmäßig gefeiert wurde. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde in Deutschland jegliches Schützenwesen durch die Besatzungsmächte verboten. Nachdem aber 1950 die ersten Genehmigungen zur Wiederbegründung von Sport- und Traditionsvereines erteilt wurden, war auch das Corps sofort zur Stelle – nach der offiziellen Genehmigung durch den ehemaligen Landkreis Land Hadeln und der Stadt Otterndorf konnte bereits im gleichen Jahr wieder das traditionelle Volks- und Schützenfest gefeiert werden. Im Jahr 1985 verlieh Bundespräsident Richard von Weizsäcker dem Hadler Schützencorps die Sportplakette des Bundespräsidenten, als „Auszeichnung für die in langjährigem Wirken erworbenen besonderen Verdienste um die Pflege und Entwicklung des Sports“.

<- Sportplakette des Bundespräsidenten.

Ein weiterer Höhepunkt in der jüngeren Vereinsgeschichte war der sportliche Erfolg unseres Schützenbruders Ernst Treude (†). 1985 konnte er bei den Deutschen Meisterschaften in der Seniorenklasse II (Schießen auf 100m) den 1. Platz mit 263 Ringen erreichen und wurde somit Deutscher Meister. Treude ist durch seine Leistungen zum Vorbild der aktiven Sportschützen des Corps geworden – auch die nunmehr nachgefolgten Generationen schauen stolz auf die im Schießstand ausgestellte goldene Meistermedaille und gehen mit Eifer in die nächste Übungsrunde. Im heutigen Jubiläumsjahr bleibt der Wunsch, dass das Corps die Tradition des Schützenwesens in Otterndorf auch in Zukunft fortführen kann.


Gut Schuss!

 

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Die Satzung des Hadler Schützencorps, gültig seit 04.02.2009.