Hadler Schützencorps von 1863 e.V.

Von der hölzernen Schützenhalle zur Schießsportanlage.


Wenn man die Geschichte des Hadler Schützencorps von 1863 e.V. beschreibt, führt der Weg über lang oder kurz zur 1979 abgerissenen hölzernen Schützenhalle, die auf dem heutigen Schützenplatz das dominierende Bauwerk darstellte. Die jüngeren Leser werden sich an dieses Stück Otterndorfer Geschichte nicht mehr erinnern, aber den älteren Lesern wird sie vielleicht noch vor dem geistigen Auge erscheinen. Bereits im Jahr 1868 richtete der Vereinsvorstand ein Gesuch an den Magistrat der Stadt Otterndorf seine Übungsstätte von der Otterndorfer Schleuse im Außendeichgelände in den Stadtbereich, genauer in das Gebiet der so genannten Schweineweide (heute gelegen zwischen Sophienweg, Ackerstraße, Capio Krankenhaus und Große Ortsstraße) zu verlagern, da den Sportschützen der Schießstand zu weit von der Stadt entfernt und andererseits wohl mit zu hohen Unterhaltungskosten verbunden war. Allerdings fassten die städtischen Collegien am 5. Juli 1868 den Beschluss, dass „nach § 345 b der Nutzungsgesetze das Schießen mit Schwarzpulver, an Orten, welche von Menschen besucht werden, verboten ist“. Somit musste weiterhin an der Otterndorfer Schleuse trainiert werden, wo man sich zu den regelmäßig statt gefundenen Übungsstunden meist schon um vier Uhr in der Frühe traf. Ein viertel Jahrhundert später wurde ein erneuter Versuch unternommen den Schießstand zu verlegen, da durch das recht große Kaliber der Schützen eine ernsthafte Gefahr für die Schifffahrt auf der Elbe bestand. Darauf folgend wurde mit der Planung für den Bau einer Schützenhalle nebst einem 175m langen Schießstand begonnen.

  

                       Die Innenansicht der Schützenhalle.                                              Die fleißigen Damen am Tresen.

Am 6. Februar 1894 teilte der Magistrat der Stadt Otterndorf mit, dass die städtischen Collegien beschlossen haben, dem Otterndorfer Schützenfest-Comité die Erbauung einer Schützenhalle auf der städtischen Bleiche (…) gegen eine geringe Mietenschädigung zu gestatten. Um die Finanzierung für dieses Mammutprojekt in Höhe von 8000 Mark zu sichern (ein einfacher Arbeiter erwirtschaftete damals im Jahr circa 1000 Mark), wurden Aktien à 25 Mark ausgegeben, die in maßgeblichen Umfang von den Mitgliedern des Corps gezeichnet wurden. Unter den Zeichnenden finden sich viele noch heute regional bekannte Namen wie Cent, Pecksen, Ohms, Johannssen und Niebuhr.

                                                   

                                                        Anleihe von 1894.                    Festwirt Heinrich Dock mit Sohn Heinz, 1927

Bereits am 26. Mai 1894 konnte das Richtfest gefeiert werden. Angeschlossen an diese Halle war ein 175m langer Großkaliber-Schießstand, der aus Sicherheitsgründen von hohen Erdwällen begrenzt war. Während der Übungsstunden mussten an den Erdwällen ständig zwei Posten stationiert werden – zum Schutz der Passanten, die über die Schweineweide liefen. In den darauf folgenden Jahrzehnten war die Halle regelmäßig Stätte schöner Feste, daneben wurde der bereits an anderer Stelle bereits erwähnte Kleinkaliberstand in den 1920er-Jahren geschaffen. Während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 wurden nicht nur die Halle, sondern auch die beiden Schießstände erheblich beschädigt. Wilhelm Steenwerth (†) berichtet in schriftlich erhaltenen Aussagen, dass alle Inventare stark beschädigt wurden, so dass sich die Hallengesellschaft zur Ausgabe neuer Anleihen entschloss, damit wieder professionell geschossen und zünftig gefeiert werden konnte. Im Juli 1979 musste die hölzerne Schützenhalle aus sicherheitstechnischen und baulichen Gründen abgerissen werden. Ausser Erinnerungen und Fotos sind noch die großen gusseisernen Fensterrahmen erhalten und diese erfüllen bis heute ihren Zweck. Diese befinden sich heute in einer Lagerhalle in Neuenkirchen-Katthusen.

                          

                Außenansicht der hölzernen Schützenhalle                   Viel Spaß während eines Pokalschießens                             

Die neue Schießsportanlage wurde an die neue, von der Stadt Otterndorf errichtete Mehrzweckhalle angegliedert. Ein Großteil der Arbeiten an dem neuen Schießstand wurde, damals wie heute, von den Mitgliedern des Corps in Eigenarbeit geleistet. Mittelpunkt der Anlage ist ein gemütlicher Aufenthaltsraum, an dem zu beiden Seiten die Luftgewehr- beziehungsweise Kleinkaliberstände angegliedert sind. Bei dem Luftgewehrstand handelt es sich um eine voll überdachte und abgeschlossene Einheit mit zehn Einzelständen. Die übliche Distanz beträgt 10m. Der gegenüberliegende Kleinkaliberstand ist ebenfalls auf zehn Einzelständen ausgelegt. Die Distanz beim Kleinkaliber-Gewehr (KK) beträgt 50m. Bei diesem Stand handelt es sich um eine offene Anlage, daher ist die Schussbahn nach oben offen. Damit sind die Schützen Witterungseinflüssen und sich ändernden Lichtverhältnissen ausgesetzt, die sie beim Training und Wettkampf zu beachten haben. Dies stellt besondere Anforderungen an die Schützen, erleichtert es ihnen aber auch, sich auf fremden Ständen zurechtzufinden. Die Scheibenanlagen sind auf allen 20 Ständen vollautomatisch. Dadurch kann das Corps seine Anlage auch für Wettkämpfe zur Verfügung stellen. Durch Umbaumaßnahmen ist seit einiger Zeit das Kleinkaliber-Pistolenschießen in der Schießsportanlage möglich.

 

Vermietung der Schießsporthalle für Ihre Veranstaltung: Rudi Dey (04751-3990), Bernd Betke (04751-5384)

 

    

Der Kleinkaliberstand (50m)

    

Der Luftgewehr- und Lichtpunktstand (10m)

    

                   Der gemütliche Aufenthaltsraum mit Küche/WC vor der Renovierung 2016/2017...

...und danach im neuen Glanz.